Newsletter/ Februar 2008
Förderkreis beteiligt sich am Erwerb des Nachlasses der Schauspielerin Brigitte Mira
Der Förderkreis hat sich Ende des Jahres 2007 am Erwerb des Gesamtnachlasses der Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin Brigitte Mira beteiligt, die am 8. März 2005 in Berlin verstorben ist.
Mira, die am 20. April 1910 in Hamburg geboren wurde und in Düsseldorf aufwuchs, begann ihre Karriere ursprünglich als Operettensoubrette, im Alter von 16 in einer Aufführung von Franz Léhars Operette „Giuditta“. Als Tochter eines aus Russland eingewanderten Pianisten (Siegfried Mira) hatte Mira schon als Kind Gesangs- und Ballettunterricht erhalten. Als Soubrette trat sie u. a. 1930 in Bremerhaven, 1934 in Graz und von 1935-1939 im Stadttheater Kiel auf.
Ausgerechnet als Halbjüdin wirkte Brigitte Mira in einer NS-Propaganda-Filmreihe, „Liese und Miese“, als „Miese“ mit, die im Sinne der Nationalsozialisten alles falsch machte, z.B. Feindsender hörte und Lebensmittel hortete. Miras beeindruckende Darstellung der Unsympathin gefiel dem Publikum jedoch so gut, dass das Propagandaministerium die Serie als kontraproduktiv bald wieder absetzte.
Ihr Spielfilmdebüt hatte Mira im Film „Berliner Ballade“ (1948), doch nach ersten Erfolgen stockte ihre Filmkarriere in den 1950er und 60er Jahren, in denen sie viel auf Kabarettbühnen in ihrer Wahlheimatstadt Berlin stand. „Wieder entdeckt“ wurde Brigitte Mira vom Regisseur Rainer Werner Fassbinder, der ihr in seinem Drama „Angst essen Seele auf“ (1974) sogar die Hauptrolle anvertraute, für die Mira den Deutsche Filmpreis als beste Schauspielerin erhielt.
Große Popularität in- und außerhalb Berlins genoss sie durch eine der Rollen in der langlebigen Fernsehserie „Drei Damen vom Grill“, die ab 1977 gedreht wurde. Ihre letzten großen Auftritte feierte die unermüdliche Mira auf einer Chanson-Tournee mit den Sängerinnen Evelyn Künneke und Helen Vita unter dem selbstironischen Titel „Die drei alten Schachteln“ Mitte der 1990er Jahre. Mira, die – obgleich über zehn Jahre älter als Künneke und Vita – beide Kolleginnen überlebte, stellte sogar noch ein Soloprogramm zusammen.
Brigitte Mira war fünf Mal verheiratet. Ihre beiden Söhne Thomas und Robert stammen aus der dritten Ehe mit dem Reporter Reinhold Tabbert. Mira wurde am 16. März 2005 auf dem Friedhof am Fürstenbrunner Weg in Berlin-Charlottenburg beigesetzt.
Am 31.10.2007 erhielt das Museum für Film und Fernsehen ihren Nachlass, dessen Einzelstücke nun katalogisiert und archiviert werden müssen. Dazu zählen u.a.:
- über siebzig Fotokonvolute und Fotoalben (von Filmen, Fernsehauftritten, Preisverleihungen, aber auch Privatfotos),
- Dutzende Spezial- und Imagefotos (z.B. von Theater- und TV-Auftritten, von Autogrammstunden, Hochzeitsfotos, großformatige Porträts, mit Widmungen von Kollegen wie Willy Millowitsch),
- rund dreißig Konvolute mit diversen Presseausschnitten sowie privaten Unterlagen,
- rund vierzig Dialoglisten von Spiel- und Fernsehfilmen, teils komplette Drehbücher,
- vierzehn handgeschriebene Notenhefte,
- diverse, teils gerahmte Film- und Theaterplakate,
- rund einhundert Videokassetten mit Mitschnitten,
- fast dreißig Kleider, teils Kostüme (darunter Hemden, Blusen, Abend- und Morgenmäntel, Schürzen, Kostümjacken usw.,
- rund zwanzig Paar besondere Schuhe, teils von Auftritten (Sandaletten, Stiefelletten, Wildleder- und Cowboystiefel etc.),
- 17 verschiedene Kopfbedeckungen: Hüte, Mützen, Hauben, Toquets, Kopftücher,
- Diverse Accessoires wie Federboas, Taillenmieder, Kummerbund, Persianerpelz, Schals, Halstücher.